Den Wildbienen und Hummeln geht es nicht gut – für alle sichtbar. Das ist das Ergebnis der neuen Roten Liste für die Wildbienen Baden-Württembergs, deren vierte Fassung nun erschienen ist, wie Spektrum berichtet.

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Image: C. Schüßler/AdobeStock

Die Liste zeigt, wie stark die wild lebenden Bestäuber inzwischen unter Druck sind. Allein seit dem Jahr 2000, als die vorherige Version der Roten Liste erschien, sind in dem Bundesland weitere 13 Arten ausgestorben oder verschollen. Insgesamt gibt es in Baden-Württemberg 493 Wildbienenarten. Doch nur noch 196 von ihnen gelten als ungefährdet, wie die Rainfarn-Maskenbiene, die 2022 auch Wildbiene des Jahres war. „Bei der Mehrheit der Wildbienen sieht es hingegen anders aus“, erklärt Mare Haider, promovierte Biologin und ebenfalls Autorin der Roten Liste, gegenüber Spektrum.

Fast die Hälfte seien entweder ausgestorben, extrem selten oder bestandsgefährdet. Weil in der Landschaft aktuell eine „Vergrasung von Flächen“ stattfinde, sei es in manchen Gegenden schwer, für Wildbienen attraktive blühende Wildkräuter zu finden. Auch die Nistmöglichkeiten seien zu gering – obwohl sie ein großes Spektrum umfassen. Grundsätzlich seien die Gründe für den Verlust der Wildbienen lange bekannt und umfassen den Verlust von Lebensräumen, die Abnahme der Blütenvielfalt, den Pflanzenschutzmitteleinsatz und natürlich den Klimawandel. Auch wenn Konzentrationen der Mittel nicht sofort tödlich für die Wildbienen seien, werde das Immunsystem geschädigt und Bienenkrankheiten dadurch begünstigt. Das Herbizid Glyphosat beeinflusse etwa die Darmsymbionten bei Hummeln. Eine zwei Kilometer breite Pufferzone, in der keine Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden, sei in der Umgebung von Naturschutzgebieten daher wichtig. Problematisch seien aber auch Krankheiten wie das Honigbienen-Faden-Virus, das von Honigbienen auf wilde Bestäuber übertragen werden kann. Die beiden kommen sich aber auch bei der Nahrungsaufnahme in die Quere, wenn es nicht genügend Blüten und damit Pollen gibt. Das ist eine Folge des Klimawandels, der Veränderungen in den Blühperioden der Nahrungspflanzen verursacht. Trockenheit oder Starkregen, der die Nester der bodenlebenden Wildbienen flutet, tun ein Übriges. Das Artenspektrum verändert sich auch durch die Temperaturveränderungen, weil Wärme liebende Arten immer weiter nach Norden ziehen.

Auch die Lösungen seien kein Geheimnis: Die Städte brauchen eine Ökologisierung mit regionalen Wildpflanzen. Die Landwirtschaft erhalte für Blühstreifen oder Fläche Fördermittel. Darüber hinaus habe ein Land auch eine Nationale Verantwortung, vor allem dann, wenn die Arten endemisch sind, also nur dort vorkommen.