Der französische Obst- und Gemüsesektor äußert sich besorgt über die Zukunft des Plan de Souveraineté Fruits et Légumes (PSFL), eines im März 2023 gestarteten Programms zur Stärkung der inländischen Produktion. 

Während die ersten Phasen durch eine starke Mobilisierung der Erzeuger – insbesondere durch die Förderprogramme von France 2030 – gekennzeichnet waren, habe sich die Dynamik des Plans 2024 und 2025 spürbar verlangsamt, so der Branchenverband Interfel. Fehlende Finanzierungen, gekürzte Mittel und unsichere Zukunftsperspektiven ließen Zweifel daran aufkommen, ob die Regierung ihre ehrgeizigen Ziele tatsächlich umsetzen könne. „Glaubt die Regierung ernsthaft, dass sich 20 Jahre Rückgang in nur eineinhalb Jahren aufholen lassen, wenn gleichzeitig die zentralen Finanzierungsquellen gestrichen werden?“, fragt Interfel in einer Stellungnahme.

2024: Hoher Finanzierungsbedarf trifft auf ausbleibende Gelder

Daniel Sauvaitre

Image: Interfel

Daniel Sauvaitre, Präsident von Interfel

Für das Jahr 2024 hatte der Staat ursprünglich 100 Mio Euro im Rahmen der ökologischen Planung versprochen. Doch bis März 2025 seien diese Mittel noch nicht vollständig ausgezahlt, beklagt Interfel. Dabei sei das Interesse an den Förderprogrammen hoch gewesen: Innerhalb weniger Stunden nach der Öffnung der vier spezifischen Finanzierungsprogramme für Obst und Gemüse, die von der Landwirtschaftsagentur FranceAgriMer verwaltet werden, seien alle Mittel vergriffen gewesen. Zahlreiche Betriebe hätten bereits beträchtliche Summen in Ko-Finanzierungen investiert – im Durchschnitt zwei Drittel der geplanten Projektkosten.

Doch anstatt die zugesagten Mittel zügig bereitzustellen, habe das Finanzministerium bereits 2024 eine Kürzung von 25 Mio Euro vorgenommen, mit Verweis auf die angespannte Haushaltslage des Landes. Die Branche habe damals noch auf eine Reaktion verzichtet. Nun jedoch stehe sie vor einer kritischen Situation: Insbesondere Projekte zur Dekarbonisierung von Gewächshäusern blieben bislang ohne finanzielle Unterstützung, und mehr als die Hälfte der Anträge für die Modernisierung von Obstplantagen seien aufgrund fehlender Mittel nicht bewilligt worden. „Es ist nicht nachvollziehbar, dass 2024 bewilligte Budgets einfach gestrichen werden und dadurch dringend benötigte Investitionen in der Branche auf Eis gelegt werden“, kritisiert Interfel.

2025: Fehlende Planungssicherheit für den Sektor

Auch für 2025 seien die Aussichten unsicher. Zwar sei der Haushalt nach einer turbulenten Abstimmung verabschiedet worden, doch die Mittel für die ökologische Transformation seien drastisch gekürzt worden. Konkrete Zusagen zur Fortführung des PSFL blieben aus. Es gebe weder eine Perspektive für die Unterstützung der Wettbewerbsfähigkeit von Erzeugern noch eine Strategie zur Absatzförderung von Obst und Gemüse, obwohl deren Konsum als essenziell für eine gesunde und nachhaltige Ernährung angesehen werde. Zudem fehle weiterhin ein klarer Fahrplan, um das offizielle Ziel der Regierung zu erreichen: die Ernährungssouveränität Frankreichs bis 2035 um zehn Prozentpunkte zu steigern.

Daniel Sauvaitre, Präsident von Interfel, äußert sich enttäuscht über die Situation: „Gewächshäuser sind ein unverzichtbares Instrument, um die Ernährungssouveränität im Gemüsesektor wiederzuerlangen. Auch Obstbauern brauchen Planungssicherheit für Investitionen, die sich erst über 25 Jahre amortisieren. Dass die Politik immer wieder von ‘Souveränität’ spricht, während gleichzeitig die Finanzierung fehlt und bürokratische Hürden bestehen bleiben, ist für unsere Branche völlig unverständlich“, betont er. Es sei schlicht unmöglich, die Produktion langfristig zu sichern, wenn die Regierung einerseits Mittel kürze und andererseits regulatorische Hürden aufrechterhalte.

Interfel fordert die französische Regierung auf, ihrer Verantwortung gerecht zu werden und konkrete Maßnahmen zur Stärkung der Branche zu ergreifen.