Unter dem Thema „Artenvielfalt in der Agrarlandschaft – es gibt sie noch!“ veranstaltete die Georg von Neumayer Stiftung bei Pfalzmarkt für Obst und Gemüse eG in Mutterstadt eine Fachtagung, die sich schwerpunktmäßig an rund 70 geladene Landwirte, Naturschützer sowie Verbands- und Behördenvertreter richtete.
Der Untertitel „Aktuelle Daten und Informationen aus dem Vorderpfälzer Acker- und Gemüsebau“ beschreibt den Rahmen und die Zielsetzung der Fachveranstaltung: In seinem einleitenden Impulsvortrag nahm Dr. Oliver Röller, Leiter des Instituts für Naturkunde in Südwestdeutschland mit Sitz in Haßloch, eine Bestandsaufnahme vor. Um zu beantworten, „Wo wir aktuell mit dem Artenschutz in der vom Gemüse- und Ackerbau geprägten Kulturlandschaft in der Pfalz stehen?“ stellt er zwei – unabhängig voneinander – in der pfälzischen Rheinebene laufende Artenvielfalts-Projekte vor.
Als Besonderheit im Vergleich zu anderen Bundesländern werden – wie Dr. Oliver Röller weiter erklärte – „in Projekten gemeinsam mit der Landwirtschaft Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität in Rheinland-Pfalz erprobt und umgesetzt.“ Dies erfolgt mit unterschiedlicher Schwerpunktsetzung: Während es bei der „Effizienten Förderung der Artenvielfalt in ackerbaulich genutzten Landschaften” – kurz EFA – vor allem um Maßnahmen der Biotopaufwertung und Biotopvernetzung auf Frei- und Zwischenflächen ohne Ackerstatus geht, konzentriert sich „Pfalzmarkt schafft Artenvielfalt“ stärker auf das Arten-Screening im Gemüseanbau mit der Zielsetzung, die Erkenntnisse zur Artenvielfalt einer Fläche für die Anlage neuer Artenschutz-Flächen zu nutzen.
Artenvielfalt in der Pfalz dauerhaft erhalten
Dr. Oliver Röller erklärte: „Das Ziel beider Projekte und aller beteiligter Partner ist es, die Artenvielfalt in der Pfalz, hier speziell in Acker- und Gemüsebauregionen, dauerhaft zu erhalten. In der praktischen Zusammenarbeit von Naturkundlern mit der Landwirtschaft lässt sich gemeinsam viel Gutes für mehr Artenschutz erreichen. Denn wir stellen fest, es gibt die biologische Vielfalt auch in der Agrarlandschaft.“
Im eigentlichen Schwerpunkt der Fachtagung wurden die Ergebnisse aus den beiden Projekten vertieft und zugleich weitere Potenziale und Möglichkeiten für mehr Artenschutz aufgezeigt. Die Vorträge übernehmen renommierte Experten. Diese sind nach den untersuchten Tiergruppen Vögel, Reptilien, Bienen, Laufkäfer, Tagfalter und Spinnen gegliedert.
Zwei weitere Vorträge komplettierten das Programm: Lisa Hausmann von der Stiftung Kulturlandschaft Rheinland-Pfalz aus Bad Kreuznach referierte über: „Landwirtschaft und Naturschutzdienstleistung: Produktionsintegrierte Kompensationsmaßnahmen im Ackerbau“. Bernd Hartmann, verantwortlich für Agricultural Solutions - Business Management Subregion North bei BASF SE in Limburgerhof, stellt „E-Learning-Module zur Biodiversität in der Landwirtschaft“ vor. Die Abschlussdiskussion wurde von Dr. Reinhard Speerschneider, Kuratoriumsmitglied der Georg von Neumayer Stiftung aus Neustadt/W., moderiert. In einem Schlusswort sagte Dr. Oliver Röller: „Wichtig ist, dass es weiterhin Vorrangflächen für den Naturschutz in der Agrarlandschaft, also direkt in-crop auf den Äckern, auf speziellen Blühflächen und auch auf Zwischenflächen gibt. Wenn unsere dortigen Maßnahmen von allen akzeptiert und gefördert werden, dann gelingt es uns einen wertvollen Beitrag zum Erhalt der Biodiversität zu leisten.“